Die Entwicklung in China
Bodhidharma, der legendäre 28. Patriarch des Buddhismus,
soll die Mönche des Shaolin-Klosters auf dem heiligen Berg Songshan
in der nördlichen Provinz Honan nicht nur in der neuen buddhistischen Lehre, sondern auch in bestimmten gymnastischen Kampfübungen unterrichtet haben.
Seine Übungen (chin.: Shi-Ba Lohan-Shou, dt.: die achtzehn Hände des Lohan) gelten gemeinhin als Ausgangspunkt für sämtliche späteren chinesischen Kampfsysteme, die unter dem modernen Begriff Kung-Fu zusammengefasst werden.
Die Nachfolger Bodhidharmas im Shaolin-Kloster bauten die ursprünglich achtzehn Übungen auf zunächst 72 aus und entwickelten sie weiter, wobei sie das charakteristische Angriffs- und Verteidigungsverhalten bestimmter Tiere ( Kranich, Leopard, Affe, Tiger, Schlange, etc. ) studierten und als Grundlage für unterschiedliche Kampfstile verwendeten.
Während der Tang-Dynastie (618 - 906 n. Chr.) erlebte das Shaolin-Kloster seine Blütezeit.
Es beherbergte an die 1500 Mönche, von denen mindestens 500 zu den legendenumwobenen Meistern der Kampfkünste zählten.
In seiner wechselvollen Geschichte zählte das Kloster zu den politischen und religiösen Machtzentren des chinesischen Reiches, und seine kampferprobten Mönche wurden ebenso bewundert, wie gefürchtet.
Erst 1928 beendeten kriegerische Auseinandersetzungen, bei denen die Tempelgebäude
bis auf die Grundmauern nieder brannten, die lange Tradition der Shaolin endgültig.
1983 wurde der Tempel rekonstruiert und dient seither als Touristenattraktion.
Die chinesischen Stile werden in eine nördliche und eine südliche Schule unterteilt.
In der nördlichen Schule dominieren hohe Stellungen, schnelle Stoß- und Schlagtechniken,
hohe Fußtritte, Sprünge und flüssige Bewegungen.
Charakteristisch für die südliche Lehre sind dagegen Fausttechniken und solide, tiefe Stellungen.
Eine weitere Einteilung der chinesischen Stile unterscheidet zwischen
externen ( äußeren ) Schulen und internen (inneren) Schulen.
Externe Schulen betonen die körperliche Stärke und trainieren deshalb vor allem die Muskulatur.
Diese Schulen führen ihren Ursprung auf die Shaolin zurück und stehen damit in einer buddhistischen Tradition.
Die inneren Schulen betonen die Weichheit und Geschmeidigkeit.
Ihre Techniken zeichnen sich durch ausweichende und defensive Bewegungen aus.
Die Atmung hat eine zentrale Bedeutung.
Durch sie werden die inneren Organe gestärkt, wodurch die innere Energie ( japanisch: Ki ) ausgebildet wird.
Die inneren Schulen stehen mit diesen Ideen in der taoistischen Tradition.